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Nach der Saison ist vor der Saison (Teil 5: Trainerstab)
Bert van Marwijk
54 Jahre, Vertrag bis 2007
Bert van Marwijk blieb in seinem zweiten Jahr in Dortmund der bekannt unaufgeregte Trainer - in einer weniger aufregenden Saison. Nach dem wirtschaftlichen Fast-Super-GAU 2004/2005 konnten sich die Borussen in der vergangenen Saison wieder zunehmend um sportliche Fragen kümmern. Wirtschaftliche Probleme rückten in den Hintergrund, beherrschten aber weiter die Dortmunder Situation. Man komme nur ohne Verletzungen durch die Saison, prophezeite van Marwijk. Aber: Ein weiterer Ausbruch der bekannten Dortmunder Verletzungsseuche ließ nicht lange auf sich warten. Die Hiobsbotschaften kamen in regelmäßigen Abständen: Koller verletzt, Ricken verletzt. Der Sturm stellte sich quasi von alleine auf und der Trainer musste wie schon in seinem ersten Dortmunder Jahr improvisieren. Smolarek in die Sturmmitte, das war zumindest in der Hinrunde eine gute Entscheidung – dem niederländischen Trainer blieb aber auch keine andere Wahl.
Trotz aller Verletzungssorgen und Improvisationen lässt van Marwijk konsequent holländisch 4-3-3 spielen, keine Notlage brachte ihn dazu, von diesem nun auch in Dortmund vertrauten System abzuweichen, um anders den Erfolg zu erzwingen. Van Marwijk hat ein Konzept, eine Idee, ein Ziel. Akribisch bereitet er mit seinem Trainerteam jedes Training schriftlich vor, nie sieht man van Marwijk ohne seinen Spickzettel auf dem Trainingsplatz.
Seine Arbeit wird anerkannt. Anders als früher stellten die Fans den Cheftrainer auch dieses Jahr nicht in Frage, immer wieder skandierten sie bei Spielen seinen Namen. Schmeichelhaft aber nicht immer erfolgreich: Borussia Dortmund spiele wie der FC Barcelona respektierten Trainer der Bundesligakonkurrenz die ansehnliche Spielweise der Dortmunder. Die Statistik wies aus, dass sie den Ball öfter in Besitz hatten als der Gegner. Nur Tore konnten sie nicht erzielen und verpassten wieder einmal den UEFA-Cup. Bisher wurde das vom Publikum verziehen. Bisher...denn van Marwijkgeht ab sofort in seine erste Saison, in der keine Entschuldigungen mehr zählen. Der Trainer forderte neue Stürmer – die hat er mit Frei und Valdez bekommen. Einem lethargischen - und nach eigenen Angaben motivationslosen – Tomas Rosicky folgt mit Steven Pienaar ein Jung-Dynamiker, der geschliffen werden will. Eventuell folgt noch Mittelfeld-Allrounder Tinga. Bert van Marwijk hat also die Alternativen, deren Fehlen er in der Vor-Saison wiederholt bemängelte.
Wirtschaftliche Fragen, die in den letzten Jahren immer wieder zu starken Ablenkungen von der Tagesordnung sorgten, gehören der Vergangenheit an. Der BVB sei dank des Morgan Stanley-Geschäftes solide aufgestellt, betont die Geschäftsführung. Das heißt: Volle Konzentration auf den Sport. Platz fünf ist das Ziel, sagen sportliche und wirtschaftliche Leitung unisono. Daran wird sich der niederländische Trainer erstmals messen lassen müssen.
Interessant wird sein, wie sich das Verhältnis zwischen van Marwijk und Christoph Metzelder darstellt. Der Verteidiger war vom Niederländer auf die Bank verbannt worden – für einen soliden, aber sicher nicht überragenden Markus Brzenska. Es folgte eine anständige WM für Metzelder, die ihm einen Urlaub bis elf Tage vor Saisonbeginn beschert. Bevor Metzelder in Dortmund gegen einen Ball treten wird, steht auf jeden Fall ein klärendes Gespräch zwischen Trainer und Spieler an. Und nicht nur das: Selbst Abwehr-Kollege Christian Wörns schießt gegen den Nationalspieler, wirft ihm indirekt Unehrlichkeit vor. Diesen Zündstoff in der Abwehr muss van Marwijk schnelltens entschärfen. Der Trainer ist gefordert und nicht wenige gehen davon aus, dass er die gesteckten Ziele auch erreichen wird.
Dick Voorn
57 Jahre, Vertrag bis 2007
 | Erprobtes Team: Bert van Marwijk und Dick Voorn | Harald und Maude, Tom und Jerry, Bert van Marwijk und Co-Trainer Dick Voorn. Wo immer Bert van Marwijk ist, kann Dick Voorn nicht weit sein. Der sympathische Holländer ist seit Jahren die rechte Hand des Cheftrainers. Schon früher bei Fortuna Sittard attestierte "Cookie" dem ehemaligen holländischen Nationalspieler van Marwijk. Nach seiner Tätigkeit als Talentscout bei Feynoord Rotterdam kam Voorn zusammen mit "BvM" ins Ruhrgebiet. "Seither träume ich von Borussia auch Nachts", scherzt der Co-Trainer, der sich besonders für die Feinabstimmung einzelner Spieler verantwortlich zeigt. „Cookie" passt heute noch über 50 Meter so genau, dass der Empfänger nicht einen Schritt tun muss, um den Ball anzunehmen. Immer wieder geübt hat er dies mit Kehl und Kringe, und dass Odonkor nun stolzer Nationalspieler ist, geht zu einem nicht unwichtigen Teil auch auf seine Kappe.
Egid Kiesouw
43 Jahre, Vertrag bis 2007
Dritter im Bunde des holländischen Trainertrios ist Egid Kiesouw, zuständig für die Kondition und Ausdauer der Profis. Der gelernte Physiotherapeut zeigt sich zudem für das Aufbautraining verletzter Spieler verantwortlich. Der 43-jährige Reha-Spezialist war ein Wunschkandidat von Chefcoach van Marwijk. Kiesouw war schon früher bei Fortuna Sittard Konditionstrainer und Assitent von van Marwijk, zu seinem Betreuungskreis gehören zahlreiche holländische Profifußballer - u.a. der ehamlige Wunschspieler des BVB, Mark van Bommel.
Teddy de Beer
42 Jahre, Vertrag bis 2007
Wolfgang "Teddy de Beer" gehört seit 1986 (!) zum festen Inventar bei Borussia Dortmund. Beachtliche 16 Jahre schnürte der stets sympathische Torwart die Fußballschuhe, ehe er 2001 in den Trainerstab von Borussia Dortmund wechselte und sich seither bei den Profis und der A-Jugend für die Aus- und Weiterbildung der Torhüter verantwortlich zeigt. Den fast schon abgeschriebenen Roman Weidenfeller formte "Teddy" zum besten Bundesliga-Torwart der letzten zwei Jahre (Kicker Datenbank) und ambitionierten Nachfolger des großen Oli Kahn in der Nationalmannschaft und den früheren Ersatzmann Dennis Gentenaar verhalf der Torwarttrainer zu einem Karrieresprung, als Weidenfeller ausfiel und Gentenaar den ein oder anderen BVB-Punkt festhielt.
Die Ziele für die kommenden Spielzeiten sind für de Beer unlängst formuliert. Roman Weidenfeller will bereits zur Europameisterschaft 2008 in den Kreis der Nationalmannschaft und für den sich im Zenith seiner Karriere befindlichen Ersatzkepper Bernd Maier muss zum Saisonende Ersatz gefunden werden. Gut möglich, dass dieser ebenfalls aus der eigenen Jugend kommen könnte und Sören Pirson heißt. Das jedenfalls ist in Dortmund inzwischen längst kein Geheimnis mehr - die Hilfe eines starken Torwarttrainers immer vorausgesetzt...
Redaktion - 14.07.2006
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