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Unentschieden beim Löwen-Jubiläumsspiel
Aus München berichtet Matthias Meerwald
Auf dem Rückweg vom Sommertrainingslager im österreichischen Burgenland erwies der Euro-League Teilnehmer den Münchner Löwen zu deren 150-jährigem Jubiläums-Fanfest die Ehre und beglich gleichzeitig die "Schulden", die man im Transfertausch um Antonio Rukavina und Sven Bender in Sachen Testspiel für die 60er noch ausstehen hatte. Durch das 1:1 Unentschieden blieb der BVB auch im fünften Testspiel ohne Niederlage und bewies eine ordentliche Defensivstabilität gegenüber einer noch deutlich ausbaufähigen Spielkultur in der Vorwärtsbewegung.
Bei nicht einmal 15° im verregneten München waren insbesondere kämpferische Tugenden, aber auch ein klein wenig Spielwitz gegen kompakt stehende und engagiert auftretende Gastgeber gefragt. Diese brannten insbesondere in den ersten zehn Minuten ein Feuerwerk an Leidenschaft und Einsatzwille in ihrer eigentlichen Heimat, dem Grünwalder Stadion im Münchner Stadtteil Giesing, ab und ließen sich von ihren frenetisch feiernden Anhängern wortwörtlich nach vorne treiben. Opfer des Münchner Übereifers wurde zunächst einmal Marcel Schmelzer, der in den ersten Minuten gleich zweimal mächtig auf die "Socken" bekam, jedoch unverletzt weiterspielen konnte.

Erst nach einer Viertelstunde konnte sich der BVB mehr und mehr aus dem Power Play der Löwen lösen und übernahm von da an, bis über die gesamte restliche Distanz, die Kontrolle über dieses Testspiel. Insbesondere der Ex-Löwe Sven Bender war es, der dem Dortmunder Mittelfeld zunehmend Stabilität verlieh und zugleich mit gutem Auge ansehnliche Spielzüge einleitete. Dieser versuchte auch immer wieder die rechte Angriffsseite ins Spiel mit einzubeziehen, die jedoch in Person von Pisczek und Großkreutz erhebliche Abstimmungsprobleme hatte und zu keinem Zeitpunkt Druck auf des Gegners Defensive ausüben konnte. Ganz anders die linke Außenbahn, angeführt von Neuzugang Kagawa und Marcel Schmelzer, die zwar auch noch nicht immer vorbildlich harmonierten, doch ein Musterbeispiel an Dynamik, Tempovorstößen und Offensivpower ausstrahlten.
Die beiden linken Dortmunder Flügelspieler waren es auch, die das Angriffsspiel fast komplett über ihre Seite aufzogen. Chancen waren jedoch Mangelware. Einzig Lewandowski (14. Minute) und Schmelzer per Freistoß (42. Minute) versuchten Kiraly aus der Distanz zu bezwingen, konnten den Torhüter aber nicht in Bedrängnis bringen. Auf der anderen Seite vergab Lauth die beste Torgelegenheit nach Stellungsfehler Pisczek im Mittelfeld und Flanke durch Bierofka aus elf Metern freistehend vorm Gästetor, verzog aber deutlich.
Gewinner der ersten Halbzeit waren demnach Kagawa, der sehr ballsicher, mit gutem Auge und schönen Außenristpässen zu glänzen wusste, Rangelov, der lauf- und zweikampfstark, sowie als geschickter Ballverteiler agierte, Bender, der mit guter Übersicht und Omnipräsenz im Mittelfeld die Regie übernahm, sowie Schmelzer, der auf seiner Außenbahn immer wieder mit gefälligen Vorstößen und hundertprozentiger Defensivstabilität überzeugen konnte. Mit drei Auswechslungen ging Trainer Klopp schließlich in die zweite Halbzeit und brachte für Schmelzer, Großkreutz und Kagawa deren "Kontrahenten" Dede, Kuba und Götze ins Spiel. Scheinbar hatten beide Trainer von ihren Mannschaften in der Pause mehr Mut zum Risiko gefordert, denn nach einer eher mauen ersten Hälfte entwickelte sich nun ein munteres Spielchen mit Torchancen auf beiden Seiten.
Bei der Borussia wusste insbesondere Kuba immer wieder zu glänzen, traute sich wiederholt ins Dribbling und konnte seine Schnelligkeit ein ums andere Mal gegen die Münchner ausspielen. Er war es auch, der Lewandowski vor der besten BVB Chance in der 56. Minute mustergültig in Szene setzte, doch der polnische Neuzugang scheiterte aus spitzem Winkel an Gabor Kiraly. Überhaupt war von dem polnischen Millionentransfer nur wenig zu sehen. Hing er als hängende Spitze im wahrsten Sinne des Wortes noch völlig in der Luft, konnte er auch nach der Auswechslung von Rangelov in der 60. Minute als alleinige Sturmspitze nicht wirklich für Torgefahr sorgen. Nach der zweiten Wechselwelle, die nach einer Stunde anstand, kamen Santana, Hajnal, Feulner, Owomoyela und Gastspieler da Silva für Pisczek, Bender, Subotic, Sahin und Rangelov.
Dortmunds Spielkontrolle ging mit diesen Wechseln ein wenig verloren und so ließ sich der an diesem Tag offensichtlich überforderte Owomoyela zu einem unnötigen Foul im eigenen Strafraum hinreißen und verursachte damit einen Foulelfmeter, den der 60er Ludwig eiskalt zum Führungstor verwandelte. Der eingewechselte Dortmunder Rechtsverteidiger war es nur vier Minuten wieder, der den zweiten negativen Höhepunkt des Tages hervorrief und nach einem brutalen Foul im Mittelfeld die einzige gelbe Karte des Nachmittags erhielt. In dieser Phase waren die Gäste sichtlich von der Rolle, so dass sich sogar der sonst so souverän auftretende Abwehrchef Hummels einen "Verstolperer" erlaubte und Nsereko somit eine riesige Einschusschance ermöglichte, doch der vergab nur um Zentimeter.
In dieser Phase spielte sich ausgerechnet der Gästespieler da Silva mehr und mehr ins Rampenlicht, suchte mit einem Distanzschuss (73. Minute) die Chance und traf nach Eckball Hajnal volley zum Ausgleich ins Tor. Offiziell besteht an einer Verpflichtung des 32-jährigen Brasilianers ja kein Interesse, doch nach diesem Auftritt konnte selbst Jürgen Klopp in einem späteren Interview nicht verhehlen, dass bei entsprechenden Umstrukturierungen im Kader möglicherweise doch noch ein Hintertürchen für den Torschützen offen stehen könnte. Kurz vor Spielende scheiterte Götze noch einmal freistehend am hervorragend reagierenden eingewechselten Torhüter Tschauner und beendete damit ein durchschnittliches Testspiel vor 12.300 Zuschauern, die ihren größten Spaß am "Giesinger Fanfest" und der zwischenzeitlichen Rückkehr in die Grünwalder Heimatstätte hatten.
Beim BVB glänzten in Durchgang Zwei Kuba und da Silva, wobei es nach den zahlreichen Wechseln für nahezu jeden Akteur schwer war, sich überdurchschnittlich auszuzeichnen. Nach dem harten Trainingslager merkte man den Dortmunder Akteuren insbesondere in der letzten halben Stunde die Intensität der letzten Woche an, wobei die Gäste ausgerechnet in dieser Phase mehr Torgelegenheiten als über die gesamte restliche Distanz der Partie herausspielen konnten. Als Gewinner dieses Spiels dürfen sich Schmelzer, Kagawa, Kuba und da Silva sehen. Sorgen bereitet insbesondere die rechte Abwehrseite, die sich sowohl durch PIsczek, als auch Owomoyela beängstigend schwach präsentierte. Auch für Großkreutz dürfte die Luft enger werden, nachdem Kuba sich in ansprechender Frühform präsentiert und mit Kagawa ein spielstarker, schneller und hoch talentierter Neuzugang aus den Startlöchern drängt. Bis zum Saisonstart dürfte sich hier ein höchst interessanter Konkurrenzkampf entwickeln. Für Klopp, der bis auf Zidan auf allen Positionen aus dem Vollen schöpfen kann, eine sehr komfortable Situation, denn außer im Tor, der Innenverteidigung und im Sturmzentrum sollte jetzt ein brennender Kampf um die Positionen in der Startelf entfachen. Und das sollte sich in jedem Falle auf allen Positionen leistungsfördernd auswirken.
Aufstellung: Weidenfeller - Pisczek (60. Owomoyela), Subotic (60. Santana), Hummels, Schmelzer (46. Dede) - Bender (60. Feulner), Sahin (60. da Silva) - Großkreutz (46. Kuba), Kagawa (46. Götze), Lewandowski - Rangelov (60. Hajnal)
Stimmen:
Neven Subotic: Gemessen an den Belastungen des Trainingslagers denke ich, haben wir ein gutes Spiel gemacht. Auch personell war es für uns nicht ganz einfach. Lukas Pisczek hatte wegen seiner Wadenprobleme z.B. zehn Tage keinen Ball gesehen, bzw. der einzige Ball den er gesehen hat war der Medizinball, den wir in letzter Zeit sehr oft rumgeschmissen haben. Wichtig wird für uns jetzt natürlich sein, Konstanz in unsere Leistungen reinzubringen, was ja für alle Bundesliga- mannschaften jedes Jahr das Schwierigste ist. Ich hoffe nur, dass wir eine bessere Anfangsphase haben als die letzten zwei Jahre. Wir haben jetzt eine riesige Chance international, im DFB Pokal und in der Bundesliga die Mannschaften früh weg zu hauen und das sollten wir auch gleich am Anfang nutzen, statt schon wieder früh hinterher zu rennen. Für uns wäre es natürlich ein riesiger Erfolg, nochmal so abzuschneiden wie letztes Jahr. Auf der anderen Seite sind wir noch sehr jung und wissen, dass wir es noch besser können und deshalb wollen wir auch schauen, ob wir das wirklich können. Wenn ich z.B. zurückblicke auf die ganzen Tore, die wir letzte Saison gekriegt haben, dann muss ich sagen, dass da so viele dabei waren, die in dieser Saison nicht mehr passieren dürfen. Ich denke, wir haben daraus gelernt und werden versuchen jetzt den nächsten Schritt zu machen, besseren Fußball zu spielen.
Sven Bender: Für mich war es natürlich ein tolles Erlebnis, mal wieder im Grünwalder Stadion zu spielen und dann auch noch gegen 60, die ich natürlich immer noch sehr sehr intensiv verfolge, je nachdem wie es sich halt mit den eigenen Spielen ausgeht. Das war für mich natürlich wirklich etwas Besonderes und ein richtig schönes Erlebnis. Ich denke, dass die Löwen eine gute Mannschaft haben, gerade von hinten raus, auch wenn man jetzt so mitten in der Vorbereitung noch keine endgültigen Schlüsse ableiten kann. Ich denke, sie haben sehr sehr gute Einzelspieler und wünsche ihnen natürlich alles alles Gute und viel Erfolg für das nächste Jahr und dass es vielleicht endlich mal mit dem Aufstieg klappt.
Kurzinterview mit Michael Zorc

Herr Zorc, wie zufrieden sind Sie mit der Vorbereitung?
Sehr, ich denke wir haben gut gearbeitet, intensiv gearbeitet. Heute mit dem Spiel als Abschluss hätten wir natürlich gerne gewonnen, aber dafür muss man die Chancen, die man sich herausspielt, natürlich auch nutzen. Ich glaube, wir haben mal wieder drei, vier hundertprozentige Einschusschancen nicht genutzt und so steht es dann halt 1:1.
Welchen Eindruck haben Sie von den Neuzugängen?
Kagawa hat gut gespielt, Mario Götze als Jugendspieler hat sich gut eingebracht, das macht alles einen sehr frischen Eindruck und Hoffnung auf mehr.
Die Mannschaft muss ja jetzt gleich auf den Punkt topfit sein, denn Sie haben jetzt eine ganze Reihe schwerer Spiele anstehen?
Richtig, es fängt mit Burghausen an, was gleich ein sehr unangenehmes Spiel wird und dann gehts auch schon direkt mit den Playoff-Spielen weiter und in der Liga geht es gegen Leverkusen, Stuttgart, also Mannschaften, die direkt vor und hinter uns gestanden haben. Daher ist es klar, dass wir nicht erst im Oktober in Form kommen dürfen, sondern schon im August.
Glauben Sie, dass die Mannschaft diesem hohen Erwartungsdruck jetzt schon standhalten kann, dass sie dafür schon die nötige Erfahrung besitzt?
Ja klar. Die Jungs die im letzten Jahr diesen Erfolg eingefahren haben, sind jetzt ein Jahr älter geworden und in diesem Jahr haben wir natürlich einige Erfahrungswerte gesammelt. Es ist nunmal unser Konzept diesen Weg mit jungen Leuten zu gehen und ich glaube dass es auch richtig ist.
Wie lautet das Saisonziel?
Die Gruppenphase der Euro-League wollen wir jetzt erst einmal erreichen, alles andere kommt dann von selbst.
Kurzinterview mit Jürgen Klopp

Herr Klopp, wie war das Trainingslager und wie ist ihr Fazit nach dem heutigen Spiel?
Es war insgesamt sehr harmonisch, wobei der Anspruch natürlich war hart zu trainieren, das haben wir auch getan. Dass das Training jetzt auch Wirkung zeigt und wir ab und zu müde sind, ich denke das hat man heute auch gesehen. Vielleicht war das auch der Grund dafür, dass uns heute vor dem Tor ein wenig die Frische gefehlt hat und wir nicht mehr so sicher im Abschluss waren. Gerade als wir das Spiel richtig kontrolliert haben hat man sehen können, dass wir auf einmal richtig geschlafen haben. Das Wichtigste ist aber, dass wir ein ordentliches Spiel gezeigt haben und dass sich niemand verletzt hat.
Sind Sie mit dem Stand, den die Mannschaft jetzt hat, schon zufrieden?
Ehrlich gesagt habe ich den noch gar nicht richtig bewertet. Ich meine, wir haben trainiert, wir wissen genau welche Umfänge wir absolvieren wollen und es ist natürlich auch jedes Mal schwierig, die Eindrücke aus den Testspielen in den richtigen Zusammenhang zu setzen. Ich weiß aber wie unser Training wirkt und ich weiß auch dass wir fit sein werden und dementsprechend ist es jetzt auch wichtig, dass du soviele Einheiten wie möglich machst um diese harte Trainingsphase optimal zu nutzen. Das haben wir auch geschafft und dementsprechend ist das auch in Ordnung.
Das Tandem auf der linken Seite war heute in der ersten Hälfte deutlich stärker als das auf der rechten Seite, wie sehen Sie das?
Das lag vermutlich daran, dass die beiden links näher an euerer Tribüne waren. Ernsthaft, es kann natürlich durchaus sein. Aber für mich ist das im Moment doch gar nicht so entscheidend. Fakt ist, dass Lukas Pisczek heute das erste Mal so richtig für uns gespielt hat. Er hat taktisch ein paar Dinge gemacht, die in Ordnung waren, ein paar die weniger in Ordnung waren. So funktioniert das Try and Error Prinzip, so wird das in der Vorbereitung gemacht und er hat jetzt aber auch noch drei Spiele, die wir nutzen werden, um ihn noch weiter nach vorne zu bringen. Kevin kann auf rechts spielen, kam im letzten Jahr aber meist über links. Links hinten haben wir mit Marcel jemanden, der diese Position schon immer spielt und für Kagawa war seine heutige Position seine 1A Position und daher ist es relativ einfach erklärt, weshalb die beiden Seiten so unterschiedlich agiert haben.
Wird Antonio da Silva nach dem heutigen Spiel nicht vielleicht doch noch eine Option, oder geht es für ihn wirklich nur darum einen neuen Verein zu finden?
Er ist weiterhin Gastspieler und auf der Suche nach einem neuen Verein. Ich muss aber ehrlich sagen, dass ich so langsam die anderen Vereine nicht mehr begreife. Keine Frage, dass er aber auch für uns interessant wäre. Aber die Situation muss so sein, dass wir die nötigen finanziellen Mittel dafür haben. Wir kennen unsere derzeitigen Möglichkeiten und wir können unter den derzeitigen Voraussetzungen nichts machen. Wir haben gesagt, dass wir noch Spieler abgeben müssen und wenn das passiert, dann kann noch alles kommen. Im Moment ist Toni aber Gastspieler der glücklicherweise das Niveau nicht senkt.
Matthias Meerwald, Wolfgang Christian Brauneder (Fotos), 25.07.2010
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